Chronik

Die Geschichte des lmkervereins „Vilseck und Umgebung“

Nach dem Erlöschen der Zeidlerei wurde es in unserer Heimat um die Tätigkeit der Bienenhaltung ruhig. Die Einführung der „Vereinsfreiheit“ und anderer gesellschaftspolitischer Freizügigkeiten im  19. Jahrhundert führte auch zu einem Wiederaufleben der imkerlichen Tätigkeit. So wurden in Bayern an vielen Orten Imkervereine ins Leben gerufen. Am 28. Oktober 1883 wurde in der Ortschaft Langenbruck – heute im Truppenübungsplatz Grafenwöhr gelegen – der „Bienenzüchterverein Langenbruck“ gegründet. Die Tätigkeit und Organisation des Vereins war in den zwölf Paragraphen der Vereinsstatuten geregelt. Den Verein leitete ein sechsköpfiger Ausschuß. Dieser bestand aus dem 1. und 2. Vorstand, dem Schriftführer und drei weiteren Ausschußmitgliedern. Die Wahl der Vorstandschaft mußte mit absoluter Stimmenmehrheit erfolgen. Frauen durften nicht in den Auschuß gewählt werden. Beitrittswillige mußten durch ein Vereinsmitglied vorgeschlagen und dem Vorstand vorgestellt werden. Der Ausschuß entschied über die Aufnahme. Vereinsmitglied konnte nur werden, wer sich eines unbescholtenen Charakters erfreute und aus der Feiertagsschule entlassen war. Die Vorstandschaft konnte Mitglieder wegen unehrenhafter Handlungen und Störungen des Vereinsfriedens ausschließen. Auch säumigen Beitragszahlern und Mitgliedern, die ohne genügende Entschuldigung drei aufeinanderfolgende Versammlungen nicht besuchten, drohte der Ausschluß.

Zweck der Vereinsgründung war die Verbreitung und Förderung einer rationellen Bienenzucht. Um dieses Ziel zu erreichen, wurden Monats- und Quartalsversammlungen zum gegenseitigen Informationsaustausch abgehalten, Fachzeitschriften gelesen und gemeinschaftliche Anschaffungen von Imkereigeräten getätigt. Einige dieser Regelungen haben bis heute an Aktualität nichts verloren. Im Gründungsjahr traten 34 Imker bei. Zum 1. Vorstand wurde Engelbrecht Adam gewählt. Berichte über die Vereinstätigkeit in den ersten 50 Jahren fehlen. Letztes Zeugnis der Existenz des Vereins ist eine Mitgliederliste von 1925.

Die Zeit nach der Neubelebung

„Auf Veranlassung des Bezirksamtes Amberg  und des Kreisvereins Bayerischer Bienenzüchter versammelten sich am 14.01.1934 im Gasthaus Kaspar Specht in Vilseck Bienenzüchter und Interessenten, um dem schon seit langem bestehenden, aber doch nicht mehr tätigen Verein neues Leben einzuhauchen“ (Zitat aus dem Protokollbuch). Lorenz Raß aus Vilseck leitete diese erste Versammlung und übernahm den Vorsitz im Verein. Er brachte den Verein trotz schwieriger Zeiten zu einer neuen Blüte. 1952 erreichte der Verein mit 86 Imkern seinen höchsten Mitgliederstand. Davor gingen durch die  Erweiterung des Truppenübungsplatzes Grafenwöhr und durch den Kriegsdienst viele Mitglieder verloren. Schließlich traten nach der Gründung eines zweiten Ortsvereins 1953 mehrere Mitglieder zu diesem über.

Am 20. Mai 1962 legte Lorenz Raß im Alter von 69 Jahren seine Arbeit als 1. Vorstand nieder. Der Verein dankte ihm seine 27-jährige verdienstvolle Tätigkeit mit der Ernennung zum Ehrenvorsitzenden.
Der neue Vorstand Rudolf Götz aus Vilseck übernahm den Verein in einer schwierigen Zeit für die Imker. Bereits Ende der 50-er Jahre stellte sich eine deutliche Überalterung der Mitglieder ein. Er versuchte, die Jugend wieder für die Imkerei zu gewinnen, indem er jedem Jungimker vom Verein ein Bienenvolk und ein imkerliches Fachbuch schenkte.

Am 23. Juli 1972 übergab Rudolf Götz aus gesundheitlichen Gründen die Führung des Vereins an Josef Weiß aus Schlicht. Ihm gelang es während seiner Amtszeit den Verein durch ein vielfältiges Vereinsleben wieder attraktiv zu gestalten und wieder zu verjüngen.

Am 15.03.1998 erfolgte der Stabwechsel an den neuen Vorstand Hermann Schertl aus Vilseck. Ihm gelang es in einer Zeit des allgemeinen Rückganges der Imker die Mitgliederzahl im Verein zu halten. In Zusammenarbeit mit Lehrer Josef Götz konnte er an der Hauptschule Vilseck einen Schulbienenstand errichten. Die Projektgruppe Bienen, aus der schon einige Jungimker hervorgingen, ist dauerhaft mit 8 – 10 Teilnehmern belegt.

2018 übergab Hermann Schertl das Amt des Vorsitzenden an Marianne Metzner. Trotz  gravierender Veränderungen in der Bienenhaltung durch die Umwelteinflüsse ist es dem Verein gelungen seine Mitglieder durch Fachinformationen und vereinseigene Geräte eine zeitgemäße Imkerei zu ermöglichen und dadurch die Bienen bei uns zu erhalten.